Vereinsausfahrt der Schwarzwaldgeier nach Slowenien im August 2016

Ich bin Wiederholungstäter – und bin damit nicht alleine – denke ich, als ich mich in den bis unters Dach beladenen Kleinbus schwinge und mich  umsehe. Ich entdecke altbekannte Gesichter, aber auch neue Teilnehmer sitzen zwischen den mittlerweile „Slowenien-Süchtigen“ wie mich.

 

Die Fahrt dauert lange und so hat man Zeit, sich auszutauschen. Und dabei wird schnell klar, warum auch in diesem Jahr die verfügbaren Plätze für die Vereinsausfahrt in Windeseile belegt waren. Es müssen nicht immer touristische Hochglanzprospekte sein, welche die Schar der Piloten für das eine oder andere Fluggebiet begeistern sollen. Bei uns am Berg funktioniert das anders. Hier sind es vor allem die emotionalen Erzählungen von unbeschreiblichen Flugerlebnissen rund um die Flugarena Socatal, die jedes Jahr auf’s Neue einen unglaublichen Zuspruch für diese gemeinsame Ausfahrt auslösen.

 

Gegen 17:00 Uhr rollt der erste angemietete Kleinbus in Most na Soci, der Ort unserer Unterkunft für die kommenden Tage, ein. Ohne Verzögerung geht es in Richtung Rezeption zur Schlüsselausgabe. Uros, mittlerweile Juniorchef des Hauses und uns aus den letzten Jahren gut bekannt, kneift seine Augen zusammen, scannt mit messerscharfem Blick den Haufen fragend dreinschauender  Geier, um dann festzustellen, dass eine entscheidende Person nicht anwesend ist: „Ganster, Ganster, wo ist dieser Ganster,“ wirft Uros fragend in die Runde. Kaum ausgesprochen, betritt der gesuchte Cheforganisator lässig und mit einem verschmitzten Grinsen den Raum.

Und dann geht alles ganz schnell. Gepäck loswerden, die Flugausrüstung zusammensuchen  und nichts wie los. 17:30 Uhr und am Kobala wird geflogen. Also rauf auf den Berg.

Wurden wir im letzten Jahr noch mit nasskalter Schlechtwetterschulter begrüßt, empfängt uns in diesem Jahr der Kobala mit all seinen Reizen. Man muss das gesehen haben – wenn man dort oben auf dem sanften Rücken aus Gras steht, der mit seiner perfekten Form und Neigung das Abheben zum Genuss macht. Man muss das Licht gesehen haben, wenn die Sonne bereits tief im Westen steht und mir ihren langen Fingern jeden Baum, jedes Blatt mit fein gezeichneten Schatten verziert. Man muss die beruhigend kräftige Luftmasse gespürte haben, die behutsam unter das Segel greift und dich zuverlässig viele Stockwerke hinauf trägt. Du lässt dich erfassen, tragen, treiben. Du erreichst das Gipfelkreuz, schraubst dich mühelos darüber empor, um dich dann zurückzulehnen und in das bereits dunkle Tal hinabzugleiten.

Welch ein Auftakt.

 

Wir Flieger sehnen uns regelmäßig danach, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Auf unsere ganz bestimmte Art und Weise. Dennoch glaube ich, dass die meisten von uns im Alltag ziemlich bodenständige Menschen sind. Ich selbst bin nicht abergläubisch, glaube nicht an Omen und oder sonstige Vorzeichen. Aber eines muss auch der Realist erkennen: Die Slowenien-Ausfahrten des GSV Baden stehen unter einem guten Stern. Ich bin jetzt das dritte Jahr in Folge dabei – und seither gab es noch keinen nicht fliegbaren Tag.

Omen oder Zufall – auch bei der diesjährigen Vereinsausfahrt wurde trotz anfänglich kritischer Wetterprognose jeden Tag geflogen. Ob XC Ausflüge entlang der Stol-Ridge, Kurbelfreude am Kobala oder ausgedehnte Genussflüge am idyllischen Lijak mit duftender Meeresbrise um die Nase – jeder Geier kam auf seine Kosten und bringt daher etwas gänzlich Unbezahlbares mit nach Hause: Seine persönlichen Abenteuer, Erlebnisse und Impressionen. Vielleicht hören wir eine dieser Geschichten bald bei einem gemeinsamen Landebier  – verbal, emotional, so gar nicht auf Papier gedruckt, aber sicherlich in Hochglanz.

 

In diesem Sinne,

 

es war sehr schön, mit euch fliegen, sprechen und lachen zu dürfen. Vielen Dank an Rainer für die tolle Organisation und das damit einhergehende „Rundum-Sorglos-Paket“.

 

Bis bald,

Rüdiger

 

1 Antwort
  1. Timothy Avonda
    Timothy Avonda says:

    Toll geschrieben, Rüdiger!

    Ich fühle mich schon wieder ganz in diese herrliche Atmosphäre versetzt. Als Ersttäter kann ich nur sagen: “boah Wahnsinn!” Nächstes Jahr bin ich auf jeden Fall wieder dabei.

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