Bin ich ein Hirsch?

Eine Frage, die zu stellen, man ab und zu den Mut aufbringen sollte: Bin ich ein Hirsch? Also unter uns gesprochen, wenn ich morgens ohne Lesebrille während der Bad-Dämmerung in den mit duschfrischer Luftfeuchte beschlagenen Spiegel blinzle … die Antwort ist alternativlos. Aber das ist ein anderes Thema. Zur Sache: Meine Vorstandskollegen haben mich gebeten, zum Saisonbeginn einige Worte zum Thema „sicheres Fliegen“ und „verantwortungsvolles Fliegen“ zu schreiben – nur damit ihr nicht denkt, der Baumann hat mal wieder einen Anflug von flugpädagogischem „Rettet-den-Merkur-Fieber“. Diesmal ist es ein offizieller Auftrag!

 „Bin ich ein Hirsch?“ Was hat die Frage mit Sicherheit und Verantwortung beim Gleitschirmfliegen zu tun? Erstens: Sie fällt auf und bleibt hoffentlich als „Head-Line“ im Hirn haften – in diesem Sinne allemal besser als ein „Seid bitte lieb und brav und nehmt aufeinander Rücksicht“ – wobei es natürlich in der Sache genau darum geht. Zweitens: Eure Aufmerksamkeit sollte ausnahmsweise nicht gleich wieder auf die GSV-Wetterstation oder -Webcam abgleiten. Und aus diesem Grund gibt’s heut alles ausnahmsweise undramatisch in den fünf Typen und Sätzen des Gleitflug-Hirschismus auf die Augen. Und die solltet Ihr offen halten, wenn ihr bald in anspruchsvollen Bedingungen an den Start geht.

Die fünf Typen und Sätze des Gleitflug-Hirschismus:

  1. Kompetenz-Hirsch: Der Kompetenz-Hirsch fliegt nur bei Bedingungen, die zu seinem Können passen! Seine Souveränität zeigt sich in seiner kompetenten Haltung und seinem verantwortungsvollen Handeln!
  2. Abstands-Hirsch: Er fliegt mit anderen so zusammen, dass diese keine Angst vor ihm zu haben brauchen und verzichtet lieber einmal auf einen halbem Meter Steigen zugunsten der Sicherheit aller. Dazu hält er respektvoll Abstand!
  3. Null-Risiko-Hirsch: Der Null-Risiko-Hirsch geht kein Risiko ein, denn Fliegen ist zwar das Schönste für ihn auf der Welt, doch bei weitem nicht das Wichtigste!
  4. Relax-Hirsch: Er fliegt nur bei Bedingungen, die zu seinem Wollen passen! Dazu wählt der Relax-Hirsch Flugtage und Flugzeiten so, dass er entspannt bleibt und ihn starke Bedingungen nicht stressen!
  5. Best-Buddy-Hirsch: Der Best-Buddy-Hirsch fliegt fair und anständig und respektvoll, so dass er auch nach der Landung mit jedem seiner Mit-Flieger noch High-Five machen kann!

Nur Ihr könnt die Frage beantworten – vor jedem Start und während jedem Flug: „Welcher Hirsch bin ich?“ Natürlich am besten ein Kompetenz-Abstands-Null-Risiko-Relax-Best-Buddy-Hirsch! Gut geröhrt, Brauner!

Der Hirsch ist übrigens ein echter Verwandlungskünstler. Allein durch die kleine Ersetzung von „Hi“ durch „A“ nimmt er oft ganz spontan einen völlig anderen Charakter an. Das Schöne: Es geht auch umgekehrt – die Wandlung vom „A…“ zum „Hi…“ ist ganz einfach und zaubert einem selbst und anderen ein entspanntes Lächeln aufs Gesicht – vor, während und nach dem Flug.

In diesem Sinne: schöne Flüge!

Euer Kommunikations-Vorstands-Hirsch

P.S. Und falls sich jemand am ungegenderten Text stört, das hat den Grund, dass Frauen einfach besser fliegen.