Tipps – (nicht nur) für Anfänger – Was ist anders als in der Schulung?

Der A-Schein ist endlich da, du möchtest bei uns fliegen, bist dir aber noch etwas unsicher? Hier die wichtigsten Unterschiede gegenüber deiner Zeit als Flugschüler.

Diese Tippsammlung ersetzt natürlich nicht die verpflichtende Einweisung oder die Geländeseiten.

Kein Fluglehrer da, der für dich denkt

Dein Fluglehrer scheucht gerade die nächste Generation über den Übungshang. Du bist nun auf dich allein gestellt. Das heißt:

  • Du musst selbst entscheiden, ob du starten kannst und starten willst. Wenn keiner fliegt, hat das meist einen Grund. Sprich mit den anderen. Im Laufe deiner Fliegerkarriere wirst du die Bedingungen immer besser einschätzen können. Bis es so weit ist, sind andere Piloten die erste Anlaufstelle.
  • In der Luft wird dich keiner vor Dummheiten warnen, du allein entscheidest nun, wo’s langgeht. Versuche, immer einen Plan B parat zu haben.
  • Fliege vorausschauend!

Du kennst noch niemanden

Verabrede dich mit anderen zum Fliegen. Die Kumpels aus der Flugschule sind irgendwie nicht so heiß aufs Fliegen wie du. Was tun?

  • Natürlich darfst du gern bei uns mitspielen.
  • In der Facebook-Gruppe Gleitschirm Region Karlsruhe findest du immer Gleichgesinnte aller Könnensstufen.
  • Warum nicht mal mit einem Crack zum Fliegen fahren? Das sind normale Menschen (Ausnahmen bestätigen die Regel), aber eben mit tollen Tipps. Und Benzin spart’s auch.
  • Mit der Zeit wirst du auch am Startplatz andere Flieger kennen lernen. Und bei unseren Arbeitseinsätzen 😉

Steiler Startplatz

  • Der Startplatz (West) ist steil. Ein kontrollierter Start mit Kontrollblick ist nicht immer leicht.
  • Der Westwind bläst durch die exponierte Lage oft stärker als vorhergesagt.
  • Rechne damit, dass die Kappe nicht unbedingt perfekt hochkommt. Kannst du das nicht ausgleichen, ist ein kontrollierter Startabbruch keine Schande, sondern ein völlig normaler Teil des Flugablaufs. Viele Unfälle passieren wegen unkontrollierter Starts. Schau dir ein paar Starts an, bevor du selbst startest. Sah der Start kontrolliert aus? Wenn ja, hätte er bei dir auch so ausgesehen?
  • Auf lange Sicht: Lerne rückwärts aufziehen! Rückwärtsstarts sind nicht den Cracks vorbehalten, sondern können von jedem erlernt werden. Du brauchst dazu auch nicht zwingend eine Flugschule. Ein paar Nachmittage Groundhandling auf einer flachen Wiese mit Freunden helfen ungemein und machen Spaß. Am Hang probierst du es natürlich erst, wenn alles perfekt sitzt, und du dich nicht aushebeln lässt.

Allein in der Luft

  • Der Merkur ist ein Kegelberg. Links (Binsenwasen) und rechts (Wolfsschlucht) kanalisiert sich der Wind. Du wirst früher oder später einige von uns dorthin fliegen sehen, weil dort gern auch mal Thermik ansteht. Bedenke aber: Dein A-Schirm ist für solche Windgeschwindigkeiten nicht konstruiert, mit etwas Pech kommst du nicht mehr vorwärts.
  • Versuche, bei deinen Flügen immer genug Höhenreserve für den Weg zum Landeplatz einzukalkulieren. Denk daran, dass es am Randbereich einer Thermik auch mal schneller als üblich runtergehen kann. Mit der Zeit bekommst du dafür ein Gefühl und kannst dich auch mal was trauen. Aber das hat noch Zeit 🙂
  • Wenn du viel Höhe abgebaut hast, dann geh lieber einmal eher landen und anschließend kannst du zum nächsten Start erneut auf den Berg, bevor du mit ungutem Gefühl die letzten Meter über den Baumwipfeln herumkratzt.
  • Du bist nicht ganz allein in der Luft. Die Ausweichregeln kennst du ja, aber noch wichtiger: Lass sie gar nicht erst nötig werden. Fliege mit ausreichend Abstand zu anderen. (“See and avoid”)

Landeplatz

  • Der Landeplatz (West) ist wahrscheinlich etwas anspruchsvoller, als du es aus der Schulung kennst, aber durchaus machbar. Schau ihn dir genau an, und lass dir die Landevolte erklären. Wenn du sie einhältst, bleibt genug Spielraum, um Fehleinschätzungen auszugleichen.
  • Bau die Höhe über der Position ab, nicht erst im Queranflug. Falls du dich verschätzt hast, kannst du den Gegen- und Queranflug ausbauen. Aber bitte nicht ewig rumachtern!
  • Auf dem Rasen ist kein Peilpunkt. Stell dir einfach einen vor, etwa im Bereich des Geiernests – unserer Hütte am Landeplatz. Nutze ihn während des kompletten Landevorgangs.
  • Unser Landeplatz wird durch einen Anti-Wildschwein-Zaun auf Schienbeinhöhe geschützt. Lass dich davon nicht verwirren, der Zaun lässt sich beim Auslaufen problemlos überspringen oder schlimmstenfalls von oben niedertreten. Benutze ihn aber nicht als Peilpunkt!

Ausrüstung

    • Achte auf eine einwandfreie und sichere Ausrüstung. Check sie immer wieder und behandle sie pfleglich.
    • Ein Vario mit GPS ist kein Luxus oder nur für Streckenflieger, sondern durchaus sicherheitsrelevant. Gerade in der Wolfsschlucht-Düse – rechts vom Startplatz – ist sonst oft nicht klar, ob du überhaupt noch Vorwärtsfahrt hast. Nebenbei kriegst du nach jedem Vollkreis die exakte Windrichtung angezeigt. Falls du dir ein Vario ohne GPS aufschwatzen lassen hast, ist ein Smartphone (Android) mit XCTrack eine vollwertige Alternative.
    • Denk neben Dingen wie Vario und GPS auch an ein funktionierendes Funkgerät.
    • Für den Fall der Fälle kann auch eine Rettungsschnur und eine Trillerpfeife von unschätzbarem Wert sein. Nimm sie mit!

Tipps für Fortgeschrittene

Du bist nicht mehr ganz so Anfänger, aber halt doch noch ein bisschen? 😉

Du willst mehr: Erste Thermikflüge

Abgleiter sind zwar auch schön, aber irgendwann will man mehr. Warum auch nicht! Wenn du die folgenden Punkte beachtest, hast du auch Spaß dabei:

  • Langsam rantasten. Dein erster Thermikflug muss nicht um 13 Uhr stattfinden, wenn alles kachelt. Als Westhang geht es auch gegen Abend gut, nur eben sanfter.
  • Schau auf die anderen. Ein guter Autofahrer ist nie überrascht, wenn er überholt wird, da er die anderen immer im Auge hat. Versuch dasselbe in der Luft.
  • See and avoid. Klar solltest du die Ausweichregeln kennen, aber am besten ist es, wenn sie gar nicht erst zum Einsatz kommen.
  • Deine erste Thermik ever kann euphorisierend wirken (es ist nämlich einfach vedammt geil!). Vergiss beim Kreisen aber nicht, die anderen zu beobachten. Ganz wichtig: Dein Bart mündet vielleicht in einen anderen. Drehrichtung beachten!
  • Wo Luft steigt, muss sie auch irgendwo wieder runter. Kalkuliere immer genug Höhenreserve ein, um den Landeplatz noch gut erreichen zu können.

Informier dich!

Es war noch nie so leicht wie heute, an Informationen zu kommen. Sprich mit guten Piloten. Schau dir ihre Flüge im DHV-XC an. Schau dir deine Fluggelände im Vorfeld in Google Earth an. Schau Videos auf Youtube (ignoriere die Kommentare). Lies Unfallberichte des DHV. Lies Bücher und Fachzeitschriften.

Vor dir sind schon zigtausende Gleitschirm geflogen. Jeder einzelne davon hat irgendwann in seiner Fliegerkarriere Fehler gemacht. Hunderte dieser Fehler sind in irgendeiner Form dokumentiert, damit du aus diesen Fehlern lernen kannst, ohne sie selbst machen zu müssen. Nutze das!

Besser werden

Wenn du dich reinhängst, kannst du sehr schnell sehr gut werden. Nach und nach merkst du, dass die “guten” Piloten auch nur mit Wasser kochen. Wahrscheinlich liebäugelst du inzwischen schon mit dem B-Schein, oder bist schon voll dabei.

Denk dran:

  • Auch du kochst nur mit Wasser 😉
  • Unfälle passieren auch durch Routine. Das Herzklopfen kurz vorm Start ist weg? Schön, aber das macht dich nicht unverwundbar!
  • Bilde dich weiter. Mach ein Sicherheitstraining. Lerne Retterpacken. Probier auch mal was neues. Warum nicht mal zum Battert rüberfliegen? Oder, wenn der B-Schein da ist, nach Loffenau?
  • Werde ein mündiger Pilot. Du musst entscheiden, wann du wo wie warum womit fliegst. Nicht dein Fluglehrer auf der x-ten geführten Flugreise, nicht deine Kumpels, nicht die immer gleichen Schwätzer auf der Lästerbank, nicht die Tatsache, dass andere fliegen, nicht deine Urlaubsplanung, nicht die Länge der Anreise, nicht Papa DHV und auch nicht der Wetterbericht. Das sind (bestenfalls) Faktoren, die du in deine persönliche Entscheidung einfließen lässt.
  • Lerne perfekt zu landen. Wenn du immer den Punkt triffst, hast du auch auf Strecke mehr Außenlandemöglichkeiten und damit mehr Spielraum.
  • Nimm an Wettkämpfen teil. Ja, das geht auch mit B-Schirmen.
  • Hab Spaß beim Fliegen!