„Nettigkeiten“ in Corona-Zeiten

Liebe Geier, die vergangenen Tage waren nicht einfach. Ständig neue Meldungen vom DHV, ständig wechselnde, sich verschärfende Lagen in der Bundespolitik – und das alles ohne Toilettenpapier, Tempos, Mehl und Dosenravioli! Wir im Vorstandsteam der Schwarzwaldgeier haben mit allen Mitteln versucht – immer im Rahmen der gesetzlichen Leitlinien! – unseren Flugbetrieb aufrecht zu erhalten und am Ende wurde uns die Entscheidungsfreiheit über unser Fluggebiet aus den Händen genommen. Ab einem gewissen Zeitpunkt war es unabhängig davon auch kaum noch vertretbar uns in der Öffentlichkeit ohne gravierenden Schaden unseres Ansehens fliegerisch zu bewegen. Großes Dankeschön an alle, die sich in diesen letzten Tagen beim Fliegen und rund ums Fliegen besonnen gezeigt haben!

Neben allen sich über Tage hinziehenden Entscheidungen durften wir uns auch noch mit „Nettigkeiten“ der besonderen Art herumschlagen. Ein Gleitschirmpilot aus Mannheim hat sich an unsere Stadtverwaltung in Baden-Baden per E-Mail gewandt und diese dazu aufgerufen „dem Gleitschirmverein Baden e.V. … die Ausübung des Gleitschirmsports zu untersagen.“ Warum uns? Viele andere Fluggebiete hatten auch noch ihren Flugbetrieb aktiv? Der Pilot, Dirk Brünner (www.regioactive.de), ist selbst Mitglied im Gleitschirmclub Neckar Odenwald (www.para-now.de) und fliegt oft in Schriesheim, gibt jedoch selbst von sich zu, wenn man seine Kommentare von den eigenen DHV-XC-Flügen liest, dass er „einfach nicht der abgeklärte Starkthermikflieger“ ist. Muss man ja auch nicht sein, nur muss man gerade in kritischen Zeiten Ruhe bewahren und vor allem eines: besonnen agieren und reagieren – und wie beim Gleitschirmfliegen auch wissen, wann man seinem „Startimpuls“ folgt.

Wir haben in einer differenzierten Bewertung der Corona-Situation und einer differenzierten Kommunikation über Tage hinweg unsere Mitglieder und Gastflieger informiert und innerhalb der gesetzlichen Leitlinien verantwortungsvoll agiert – dass das nicht jeder verstehen kann oder verstehen will, liegt vielleicht in der Natur des Menschen. Wir haben auch auf Herrn Brünner besonnen reagiert und so geantwortet, dass wir unser positives Standing als Verein hier in unserer Heimat aufrechterhalten können.

Gerade in Zeiten wie diesen wünscht man sich solche Vorfälle nicht noch zusätzlich zu allen anderen ohnehin bereits schweren und aufwändigen, verantwortungsvollen Entscheidungen. Herr Brünner hat sich dann in einer Antwort auf unser Schreiben nochmals gerechtfertigt, sich dann jedoch versöhnlich gezeigt (wir hatten auch die Vorstände seines Clubs und der Bersträßler Gleitschirmflieger in Schriesheim informiert) und zu einem gemeinsamen Landebier eingeladen. Wenn Toilettenpapier nicht gerade so wertvoll wäre, würde ich ihm dazu gerne eine Rolle schenken.