Eric Trapp

Einfach irre real.

„Milchbubi mit Mantra“ erzielt 131 km Rekord am Merkur. Es war einige wenige Tage vor dem geschichtsträchtigen Tag, Merkur Landeplatz, Nordostlage, wenn ich mich recht erinnere, als mich Laszlo Spuller ganz aufgeregt fragte, ob ich das gesehen hätte, am Nordoststartplatz. Auf meine Gegenfrage „Äh, was denn?“ meinte er: „Na die Milchbubis mit den Mantras.“ Milchbubis mit Mantras? Ne, hatte ich nicht gesehen. Mir war damals noch nicht klar, was oder wen er meinte – ihm auch noch nicht. Und wir beide hätten sicherlich nicht gedacht, dass wir nur kurze Zeit später ohne weiteres Nachfragen und Nachforschen auf eindrucksvolle Art erfahren sollten, wer der da von Laszlo aus seiner und auch aus meiner Altersdifferenz bedingten saloppen und natürlich keinesfalls abwertend gemeinten Sicht Kurzbeschriebene sei, also kurz: um wen es sich da handeln sollte.

Mysteriöser Anruf

Erfahren haben wir es am Abend des 15. Juli 2015 aus dem XC beziehungsweise ich etwas früher live von Marco als wir gemeinsam die entspannt konzentrierten Bemühungen beobachteten, mit denen die geübten Baden-Badener Feuerwehrleute einen „Springer“ aus den waldigen Wipfeln nahe unseres Landeplatzes pflückten. Mitten während der behenden Bergung erhielt Marco nämlich einen Anruf bei dem ich zuerst seine Augen aufleuchten sehen konnte und dann die Zahl „131 km“ hörte. „Der Eric ist 131 km bis nach Crailsheim geflogen,“ teilte mir Marco mit und ergänzte mit einem breiten Grinsen, „da muss ich Samstag nachlegen!“

Fragloses Munkeln

Den Namen Eric Trapp hatte ich in jüngster Zeit öfter, immer öfter, um nicht zu sagen permanent im Geier-XC ganz vorne gesehen. Ich hatte gehört, dass er noch sehr jung ist und ab und zu fragte ich mich am Start- und Landeplatz bei Gesichtern, die ich noch nicht kannte, ob dies der ominöse – zumindest mir – Unbekannte sei. Man munkelte nur, er sein tatsächlich ein ganz Junger, achtzehn oder neunzehn erst, aber wer er nun genau sei und wie er aussehe, groß, klein, dick, dünn, dunkle Haare, helle Haare, bärtig oder glattrasiert? Niemand wusste es – und unsere Strecken-Cracks hab ich mich nicht zu fragen getraut – schließlich hat man ja auch seinen Stolz und will „mit-wissen“, auch wenn man nichts weiß – so ist das mit den Jahren – und beim Fliegen, denke ich auch sowieso.

Alle Achtung

Das war schon ein echtes Rätsel. Aber seit 10 Minuten weiß ich mehr, weiß wie er aussieht, überhaupt nicht wie ein Milchbubi! Weiß dass er 19 Jahre alt ist, in Mannheim Maschinenbau studiert, ambitioniert Triathlon trainiert, wenn er mal nicht in der Luft ist, mit 14 den L-Schein, mit 16 den A-Schein und später den B-Schein gemacht hat und einfach sehr, sehr genial fliegt. Selbst Chris Demmert meinte letztens anerkennend – ich kann mich an den Wortlaut nicht erinnern und zitiere daher frei: „Alle Achtung wie der sich am kleinen Merkur ausgegraben hat!“ Ja, passt auf was ihr sagt, wenn ihr mit mir oder meinen Informanten sprecht, wird alles zur späteren Veröffentlichung im Proteinspeicher archiviert! Also, wer ist das nun, der Super-“Milchbubi“ mit dem Mantra, den er meines Wissens vor dem Rekord gerade mal eine Woche geflogen ist, also wer ist das, der so mir nichts dir nichts den 2012 von Martin Laible – Martin Laible! – mit einem Schirm der offenen Klasse aufgestellten Merkur-XC-Rekord übertrumpft hat?

Ich würde sagen, wir nähern uns dem personifizierten Mysterium mit seinen eigenen Worten, seinem eigenen für uns verfassten Bericht, indem er seinen genialen Flug ganz wunderbar beschreibt. Da kommt am besten rüber, wer das ist – und ihr seht dann natürlich auch sein Bild und könnt ihn am Merkur in Zukunft bisl zu quatschen und am Boden festnageln, damit er den alten Hasen nicht ständig davonfliegt. Vielleicht sprechen wir uns auch im Vorfeld ab, wer heute mit fest quatschen dran ist und die anderen starten dann schon mal ganz leise und unauffällig mit gehörigem Vorsprung.

Merkur-Rekord 131km

„Am 15. Juli machte ich mich zusammen mit Marco nach einem gemeinsamen Geburtstagsfrühstück bei Antonia auf den Weg nach Baden-Baden an den Merkur. Um kurz nach halb eins erreichten wir den Startplatz verspätet, die Thermik war schon lange aktiv also hieß es, keine Zeit mehr zu verlieren und so schnell wie möglich zu starten. Nach einer viertel Stunde erreichte ich die Wolkenbasis direkt über dem Merkur und glitt Richtung Osten über das Murgtal, die ersten Hügel bei Loffenau überflog ich und drehte erst wieder bei Bad Herrenalb auf. Nach einer langen Gleitstrecke über das große Waldgebiet ging es über Straubenhardt bis nach Pforzheim wo ich einige Zeit im schwachen Steigen verbrachte, ich versuchte dabei so viel Höhe wie möglich zu tanken, um Pforzheim nördlich umfliegen zu können, ohne zu tief zu sinken. Denn meine Devise an diesem schwach windigen Tag lautete: Nur wer lange fliegt kann weit fliegen! Also versuchte ich kein unnötiges “Absaufrisko” einzugehen.

Ich hangelte mich von Wolkenfetzen zu Wolkenfetzen, erst bei Bietigheim-Bissingen konnte ich mich gemeinsam mit einem Segelflugzeug bis zur Wolkenbasis hoch schrauben. Der Segler war nach wenigen Minuten aus meinem Sichtfeld verschwunden, so machte ich mich wieder alleine auf den Weg. Ich querte den Neckar mit Blick auf zwei große Kraftwerke und in Flugrichtung sanfte Hügel, die ich natürlich auch noch abreiten wollte. Ich begann immer längere Gleitstrecken zwischen den Thermiken zurück zulegen, um den Vorteil des besseren Gleitens und der höheren Geschwindigkeit meines neuen Schirms voll ausnutzen zu können. Generell habe ich mir die Regel gesetzt, immer Halbgas zu fliegen, um einfach schneller voranzukommen und die Theorie nach McCready halbwegs zu erfüllen. Ich hangelte mich also am Rand des Luftraums Stuttgart weiter von Hügelkette zu Hügelkette mit bangem Blick auf mein GPS, da ich unbedingt noch vor meinem 20. Geburtstag die 100 km Marke zum ersten Mal überfliegen wollte.

Als ich endlich aufatmen konnte und das erste Mal eine dreistellige Zahl auf meiner Anzeige abgelesen habe, ertappte ich mich selbst bei einem ausgedehnten Freudenschrei. Ab diesem Zeitpunkt kam ich voll in Fahrt, gab nochmal richtig Gas und nutzte die letzten Thermiken des Tages aus. Es lief einfach alles zusammen und ich konnte meinen gesamten Schnitt noch einmal verbessern. Als ich zu meinem letzten Gleitflug ansetzte, sah ich 120 km auf meiner Anzeige, im Hinterkopf hatte ich, dass der alte Rekord bei 124km lag. Jetzt war sogar der Rekord in greifbarer Nähe! Ich glitt bei immer tiefer sinkender Sonne unter den übrig gebliebenen Wolken entlang Richtung Westen. Mein Blick klebte fieberhaft auf den Kilometerzähler, die 124 km Marke hatte ich schnell erreicht und realisierte, dass ich noch genug Höhe hatte, um noch ein paar Kilometer drauf zulegen.

In niedriger Höhe überflog ich noch ein kleines Dorf, hinter dem ich dann auch zur Landung ansetzte. Überglücklich stand ich nun auf einem kleinen Feldweg, ohne zu wissen wo ich mich genau befinde und wie ich hier wieder wegkommen sollte, aber dieses Problem war fürs Erste zweitrangig, da ich in meiner Euphorie erstmal meinen anderen Fliegerkollegen über meinen Flug berichten wollte.“

Ja, und da wären wir wieder zurück spätabends beim Anruf an Marco, bei dem ich die ominöse „131 km“ mithörte, mir der „Milchbubi mit Mantra“ in Erinnerung kam und ich mich einmal mehr fragte: „Wer ist eigentlich Eric Trapp?“ Jetzt weiß ich es. Und Ihr wisst es auch.

Einfach irre real

Ich habe lange mit mir und der Headline „Milchbubi mit Mantra“ gerungen und mich dann auf der Zielgeraden doch für „Einfach irre real“ entschieden. Die Story ist einfach zu gut, so eine Geschichte kann nur die Wirklichkeit schreiben. Daher kein „Milchbubi mit Mantra“ als Head, aber ohne Kompromisse im Text – weils wahr ist und weils respektvoll gemeint ist. Wer Laszlo und wer mich kennt, weiß, dass wir das keinesfalls despektierlich meinen – und ich hoffe Laszlo und Eric werden mir den Hang zur real-zitierten Alliteration nachsehen. Auf jeden Fall geht dafür das nächste Landebier an Laszlo und Eric auf mich! Für Letzteren natürlich alkoholfrei: Milchbubi!

DANKE Eric und mach weiter so, schreib viele geile Geschichten – für Dich, dein Leben und für uns.

Eric Trapp

Und so sieht er aus: Eric Trapp.

EricTrapp_131kmFlug

Uns so ist er geflogen: 131 km Merkur – Crailsheim.

 

 

2 Kommentare
  1. jockie
    jockie says:

    Das mit der Milch kann ich bestätigen: Eine halbe Stiege Milch hat er meistens in seinem Kofferraum dabei! Legales Doping?!

  2. Rolf Landmesser
    Rolf Landmesser says:

    Einfach phänomenal und sicher nicht leicht zu toppen.
    Man sieht, wie weit es mit der Entwicklung der Schirme gekommen ist, und welche außerordentliche Leistung der Pilot vollbracht hat. Das nötig Respekt ab und natürlich herzliche Glückwünsche für diese, im bisherigen Leben des Piloten vollbrachte Leistung.
    Bei günstigen Bedingungen ist ihm sicher noch die eine oder andere Strecke zuzutrauen, ich bin sicher, da wird nicht nur einer die Daumen dafür drücken,
    meint rodila

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